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Der kleine Cyborg

Der kleine Cybold

Teil 4: Erzählt von Kindern aus Gais

In der Bibliothek in Gais hat der vierte von den sieben Südtiroler Sommer-Lese-Podcast-Workshops stattgefunden. Bevor es mit der Geschichte vom kleinen Cybold weitergeht, stellen sich die Kids, die bei dem Workshop in Gais mitgemacht haben, erst einmal vor:
 

Und so geht die Geschichte weiter:

 
4. Kapitel: Klein, aber oho
Im ersten Moment dachte Reggy, er hätte sich verhört. Was hatte der Knirps gesagt?
"Papa, soll ich dir helfen?"
Der Kleine war offensichtlich nicht nur ein ziemlich frecher Kobold, sondern auch noch ein riesen Witzbold.
"Ach, der Herr Cybold würde tatsächlich so freundlich sein, und mir helfen?" sagte Reggy übertrieben.
"Oja!" strahlte Cybold zurück, "das würde der Herr Cybold gerne machen!"
Hier kannst du dir den vierten Teil der Geschichte
als Podcast anhören
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Lebensmittel aus Bäumen?

Eigentlich war Reggy ganz und gar nicht zum Spaßen aufgelegt. Aber er dachte sich:
"Wollen doch mal sehen, wie weit er das treibt!"
Und deswegen sagte er noch mehr übertrieben freundlich:
"Wirklich? Ja, das wäre ja supernett. Erzähl mal, du Knirps, wie du mir helfen könntest?"
"Ganz einfach." antwortete Cybold cool, "Ich könnte da hinten reinkriechen und das Hauptkabel von der Steuereinheit wieder befestigen."
Reggy klappte der Unterkiefer runter.
"Hauptkabel? Steuereinheit?"
Der Cyborg verdrehte ungeduldig die Augen.
"Ja, das von dem Baumansauger."
Reggy fing an zu stottern.
"Moment mal, woher weißt du, dass das Hauptkabel–"
"Das hab ich gehört."
"Was? Wie gehört?"
"Wenn ich etwas höre, weiß ich sofort, wer oder was das ist oder was passiert ist, weil ich in meinem Ohren zwei Hörchips habe, mit denen ich supergut hören kann und wo ich außerdem fast alle Geräusche gespeichert habe, die es gibt."
Reggy war beeindruckt.
"Warum hast du mir das nie erzählt, dass du sowas kannst?"
Cybold guckte Reggy schmunzelnd an.
"Du hast mich ja nie gefragt."
Reggy bekam ein bisschen ein schlechtes Gewissen.
"Vielleicht hätte ich mich ein bisschen mehr um den kleinen Kerl kümmern sollen. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden."
"Soll ich nun oder soll ich nicht?"
"Was?
"Reparieren!"
Reggy traute dem Braten ja noch nicht wirklich, aber sagte er sich:
"Probieren geht über studieren."
Und schraubte die Abdeckung einer Kühldüse ab. Der kleine Cyborg krabbelte in die Kühldüse und verschwand im Inneren des Bauminators.

Schon nach fünf Minuten kam er wieder zum Vorschein. Er hüpfte Reggy auf die Schulter und sagte:
"Alles klar, Alter, wir können weitermachen!"
Reggy bekam den Mund nicht mehr zu.
"Sag bloß, du hast in der kurzen Zeit das Kabel –"
"Ja sicher!" unterbrach in Cybold,
"Los, Turbine starten, mach hin! Zeit ist Geld."
Reggy war etwas durcheinander.
"Ja, ja, schon gut. Ich mach ja schon."
Reggy drückte auf den Knopf, mit dem der Energiechip gestartet wurde und tatsächlich, die Hauptturbine des Bauminators fing wieder an zu surren. Die halbe Butterfichte, die stecken geblieben war, verschwand knisternd im Inneren des Bauminators und wurde zu einem mittelgroßen Stück Butter verarbeitet.
Reggy war begeistert.
Und der kleine Cybold stand auf seiner Schulter, hielt sich an Reggys Ohrläppchen fest und strahlte seinen großen Papa stolz an.
Etwa eine halbe Stunde später war die letzte Fichte geerntet.
In der Lagerbox lagen genau 200 Kilogramm frische Fichtenbutter,
gut verpackt und tiefgekühlt.

Reggy parkte den Bauminator auf einer gerodeten Fläche, mitten in dem Butterfichtenwald. Er brauchte jetzt unbedingt eine Pause. Er aktivierte die Pauseneinstellung seines Sitzes und schon klappte die Rückenlehne mit einem leisen Zischen nach hinten. Die Kopfstütze verwandelte sich in ein bequemes Kopfkissen. Reggy machte es sich seufzend auf seinem Platz bequem und fing schon kurze Zeit später an zu schnarchen.
Cybold überlegt einen Moment, was er jetzt machen konnte. Dann schaltete er seinen zentralen Energiechip in den Standby-Modus. Und weil er das Schnarchen von Reggy so lustig fand, produzierte er mit dem Sprachcomputer in seinem Hals ebenfalls ein Geräusch, dass sich so anhörte, als wenn er ein kleines dünnes Brett durchsägen würde.
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Was sind Mausmutanten?

Aber schon nach ein paar Minuten war es mit Standby-Modus und dem Brettdurchsägen vorbei. Seine hochsensiblen Hörchips hatten ein Geräusch vernommen, das ein normaler Mensch niemals gehört hätte, weil es von so weit herkam und so leise war.
Der kleine Cyborg brauchte nur zwei Sekunden, dann hatte er das Geräusch analysiert. Es war der Hilferuf eines Mutanten, genauer gesagt eines Mausmutanten, bzw noch genauer gesagt von einem noch ziemlich jungen und kleinen Mausmutanten.
Der Schrei kam aus südwestlicher Richtung und hörte sich an, als wenn es um Leben und Tod gehen würde. Cybold zögerte keinen Augenblick. Er krabbelte aus dem Bauminator und rannte in südwestliche Richtung. Je weiter er lief, desto lauter hörte Cybold den Schrei.
Und dann hörte er noch andere Geräusche. Aber noch war nicht klar, was das für Geräusche waren. Die Geräuscherkennungssoftware in Cybolds Kopf arbeitete auf vollen Touren. Dann stand das Ergebnis fest. Das zweite Geräusch war das abfällige fiese Lachen von mindestens zwei Kaaronen.
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Was sind Kaaronen?

Kaaronen sind so ziemlich das Letzte, was es in den unendlichen Weiten des Universums gibt. Ursprünglich stammen sie von dem Planeten Kaaron. Sie sind fett, hässlich, stinken wie die Pest und sind ohne Ausnahme gemein bis zum Gehtnichtmehr.
Ihre einzige Beschäftigung ist es, andere zu betrügen, zu bestehlen, zu quälen und wenn es sein muss, auch mal aus reinem Spaß zu verprügeln.
Besonders unangenehm sind sie, wenn sie zuviel Blutwein getrunken haben. Erstaunlicherweise können sie eins nicht, was eigentlich sehr gut zu ihnen passen würde: Sie können nicht lügen. Was auch immer man sie fragt, sie sagen jedesmal die Wahrheit.
Der kleine Cyborg rannte und rannte. Schließlich erreichte er eine kleine Lichtung. Mitten auf der Lichtung stand eine Weingummiesche. Zwei Kaaronen hatte sich vor dem großen Baum hingekniet und prokelten mit ihren unförmigen Wurstfingern in einer Vertiefung zwischen den Wurzeln der Weingummiesche herum.
In der Vertiefung saß der kleine Mausmutant, der um Hilfe geschrien hatte.
"Ich hab ihn!"
grölte einer der Kaaronen.
Und damit zog er sein Opfer am Schwanz unter der Wurzel hervor.
"Supi!"
grunzte der andere Kaarone,
"Der ist perfekt!"

Inzwischen war der kleine Cybold ein Stück näher gekommen.
"Hallo Fans," meinte er cool, "kann ich euch irgendwie behilflich sein?"
Die beiden Kaaronen schauten überrascht zu Cybold.
"Was isn das für einer?" brummte der eine.
"So einen Winzling hab ich ja noch nie gesehen", staunte der andere.
"Hey du! Was bist denn du? Ein Mensch?"
sagte der erste.
"Ich werde dir gleich zeige, was ich bin, wenn du den Kleinen da in deiner Hand nicht augenblicklich loslässt!"
Cybold versuchte so gefährlich wie möglich zu klingen.
"Hast du das gehört?" meinte der eine Kaarone zum anderen,
"Ganz schon frech das Würstchen!"
"Weißt du, was ich glaube?" sagte der eine Fettwanst,
"Das ist kein Mensch, das ist ein kleiner Cyborg!"
"Stimmt!" meinte der andere.
"Mann, ham wir ein Glück! Den können wir ja noch besser gebrauchen als die Minimaus!"
Und ehe Cybold sich versah, hatte ihn ein Kaarone gepackt und zusammen mit dem kleinen Mausmutanten in eine von seinen großen Manteltaschen gesteckt. Dann machte es "Ritsch". Der Kaarone hatte den Reißverschluss von der Tasche zu gezogen.

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